Elternzeit für Papas – Was bedeutet das für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

15. April 2019     / / / / / / / / / / / / / / /

Rund 70 Prozent der Männer geben an, sich mehr an der Erziehung und Betreuung der Kinder zu beteiligen als die vorherigen Generationen und werten das als einen persönlichen Gewinn.

 

Wir bei ))accente sehen darin eine grandiose Entwicklung. Deshalb möchten wir Euch gerne in diesem Blogbeitrag die Erfahrungen von zwei Papas berichten, die bereits eine berufliche Auszeit genommen haben. Neben den persönlichen Eindrücken ist natürlich auch der Standpunkt als Unternehmen wichtig. Was bedeutet das für uns als verhältnismäßig kleine Agentur, einen Mitarbeiter in „Papazeit“ zu entlassen? Und welche Möglichkeiten hat der Inhaber selbst, wenn er vor dieser Entscheidung steht? Denn auch Hans als Inhaber von ))accente stand vor der Überlegung, wie er als Selbständiger Elternzeit realisieren kann.

Selbstverständlich kommt irgendwann bei den werdenden Vätern die Frage auf, wie das denn eigentlich mit der Elternzeit funktioniert. Wer von beiden sollte oder darf die Elternzeit nehmen? Das Gute ist, man muss sich gar nicht entscheiden. Beide Elternteile haben das Recht auf eine Auszeit. Generell darf der Arbeitgeber den Antrag auf Elternzeit innerhalb der ersten drei Jahre des Kindes nicht ablehnen. Allerdings muss diese sieben Wochen vorher schriftlich beantragt werden.

Die Höchstdauer der Elternzeit liegt bei 36 Monaten, diese Zeit kann zwischen Mama und Papa aufgeteilt werden. Direkt nach der Geburt kann man die vollen drei Jahre beanspruchen. Ab dem dritten Geburtstag des Kindes hat man jedoch nur noch einen Anspruch auf 24 Monate Elternzeit, egal ob davor schon die anderen 12 Monate genommen wurden oder nicht.
Am beliebtesten ist bei Eltern das sogenannte „12+2“ Modell. Die Mutter nimmt sich eine Auszeit für ihr Kind von zwölf Monaten und der Vater eine Auszeit von zwei Monaten. Die zwei Monate sind eine festgelegte Untergrenze, um überhaupt einen Anspruch auf Elterngeld zu haben. Wie genau die Elternzeit aufgeteilt wird, ist jedoch jedem selbst überlassen. Bei dem 12+2 Modell profitieren die Eltern von insgesamt 14 Monaten Elterngeld, wobei beide Elternteile etwa 65 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung haben.

Auch Benny, einer unserer Mitarbeiter, hat sich mit seiner Frau für das 12+2 Modell entschieden. Lest selbst was er zu dieser bewussten Entscheidung, als frisch gebackener Vater für das Kind zuhause zu bleiben, zu berichten hat.

 

 

Aus welchem Grund hast du dich dazu entschieden, in „Papazeit“ zu gehen? Wie lange hast du Elternzeit genommen?
Benny: „Nun wenn mein Gesetzgeber mir die Möglichkeit gibt, diese Zeit zu erfahren und das auch mitzunehmen wäre ich wohl eher doof, das zu lassen.“

Wie kam deine Entscheidung als Papa in Elternzeit zu gehen in deinem Umfeld an? Akzeptanz oder Unverständnis?
Benny: „Das weiß ich nicht, mir ist die Meinung meines Umfelds über meine Entscheidungen vollkommen egal.“

Hast du dich von ))accente als Arbeitgeber in deiner Entscheidung unterstützt gefühlt?
Benny: „Selbstverständlich. Das ist ja kein „Bonbon“, welches der Arbeitgeber dir gönnt sondern aktuelle Gesetzeslage und da ist man bei uns im Betrieb geistig weit genug zu erkennen: Das ist dann halt so und wird jetzt so gemacht.“

Wie hast du die Zeit genutzt?
Benny: „Kinder versorgen, wickeln, kochen, trösten, schimpfen, bespaßen, putzen, Termine machen, Playdates wahrnehmen, bla bla – eben die Tätigkeiten eines Vollzeit-Hausmanns.“

Hast du bei all deinen Kindern Elternzeit genommen?
Benny: „Beim ersten war ich noch komplett selbständig und habe mir da die Termine so gelegt, dass ich meiner Frau den Rücken frei halten kann.“

Wenn nein, kannst du im Nachhinein einen Unterschied in der daraus entstandenen Bindung zum Kind feststellen? Also verhalf die „Papazeit“ zu einer stärkeren Bindung zu deinem Kind?
Benny: „Ich denke nicht, dass ich ohne Elternzeit eine schwächere Bildung zu meinem Kind hätte. Man nimmt halt viele Skills mit, wenn man in der Elternzeit ist und es hilft, komische Betreuungssituationen abzufangen, da jedes Elternteil voll „tauglich“ ist.“

War die finanzielle Einschränkung mit dem Elterngeld für Euch spürbar oder hattet ihr Euch bereits darauf vorbereitet?
Benny: „Wir waren vorbereitet. Spürbar war es dennoch. Da war schon früher im Monat der Kontostand im Roten.“

Verbindest du mit der Elternzeit auch negative Aspekte oder Auswirkungen?
Benny: „Nö.“

Würdest du bei deinem nächsten Kind wieder Elternzeit nehmen?
Benny: „Klar… aktuell sieht es jedoch so aus als wäre die Familienplanung abgeschlossen…“

Wie war für dich die Wiedereingliederung in das Berufsleben? Fiel es dir leicht oder hattest du Schwierigkeiten? 
Benny: „Nein ich hatte keine Probleme mich wieder in den Job einzugliedern. Klar, war es wieder eine Umstellung, aber nach „nur“ zwei Monaten Auszeit relativ gut machbar.“

Welche Erkenntnisse nimmst du aus der Zeit mit? 
Benny: „Nehmt euch nichts vor! Ich sehe viele junge Männer, die in der Elternzeit ein Zimmer renovieren oder mal endlich die Küchenplatte schleifen. Das halte ich für einen Riesenfehler – diese Zeit mit deinem Kind bringt dir keiner wieder und wenn du älter wirst, ärgerst du dich. Elternzeit ist kein Urlaub.“

Ihr seht also, Benny sieht die Sache mit der Elternzeit ebenfalls als persönlichen Gewinn und bereut nichts an seiner Entscheidung, sich eine berufliche Auszeit genommen zu haben.

Für Hans als Selbständiger war es allerdings nicht so einfach, alles stehen und liegen zu lassen und sich vollkommen seinem Kind zu widmen. Selbstständige werden zwar ebenfalls vom Staat bezuschusst, die Beantragung ist allerdings wesentlich komplizierter und umfangreicher als für Eltern, die nur Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit beziehen. Da war schnell klar, Hans wird es nicht möglich sein, sich diese Auszeit in solch abgesichertem Umfang wie ein Arbeitnehmer zu realisieren. Als Chef hat man gewisse Verpflichtungen, denen man nachgehen muss, komme was wolle. Da kann auch ein süßes kleines Wesen erstmal nichts daran ändern. Dennoch gab es auch für Hans Spielräume, Zeit mit seiner Familie zu verbringen, beispielsweise durch kürzere Tage im Büro. Hans übernahm weiterhin das Notwendigste und übergab Verantwortungen weiter an seine Mitarbeiter. Dabei stärkte die Bereitschaft und das Engagement jedes Einzelnen seinen Rücken und ermöglichte ihm so seine Freizeiten.

 

 

Auch wenn wir als kleine Eventagentur einen Mitarbeiter für eine gewisse Zeit ziehen lassen und die fehlende Funktion oder Kompetenzen intern ausgleichen müssen, sehen wir die „Papazeit“ und natürlich auch die „Mamazeit“ als eine wertvolle Bereicherung für jede Familie und unterstützen das mit ganzem Herzen. ❤️

 


Text: Luisa Schädel und Desiree Ams   |   Titelbild und zweites Beitragsbild: Susanne Weidmann, Erstes Beitragsbild: Aline Lange