Nachgefragt. Im Gespräch mit Alexander Melzer - ))accente

Nachgefragt. Im Gespräch mit Alexander Melzer

14. Juli 2016     / / / / / /

portrait-alexander-melzer

Party Rent. Einer der großen Eventausstatter für Mobiliar und Catering-Equipment. Bei unserem kürzlich durchgeführten Heidelberger Event lernten wir Alexander Melzer kennen. Projektleiter bei Party Rent in Frankfurt. Er verriet uns, wie er zu Party Rent kam und welche Herausforderungen er täglich meistert.

Wie war dein Einstig in die Eventbranche?
Ich habe eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht, anschließend einige Jahre in der Hotellerie gearbeitet und erste Erfahrungen im Bereich Catering gesammelt.

Party Rent und Du. Wie seid ihr zusammen gekommen?
Ich habe Christian Eichenberger, den Frankfurter Geschäftsführer, 2006 auf einer Veranstaltung kennengelernt und mich auf Anhieb gut mit ihm verstanden. Damals war ich für ein Personaldienstleistungsunternehmen tätig und habe seither immer wieder mit den Frankfurter Kollegen gearbeitet. Anfang 2009 bin ich schließlich in Vollzeit gewechselt. Seitdem hat sich hier einiges getan. Ich glaube, heute hilft es mir sehr, beide Seiten zu kennen.

Welchen Herausforderungen stellst du dich als Projektleiter?
Die Eventbranche ist ein Live-Geschäft. Termintreue ist das oberste Gebot. Die einzelnen Gewerke müssen reibungslos ineinander greifen. Aber das kennst du ja selbst als Eventmanagerin. (lächelt und zwinkert dabei)  Unsere Produkte werden in der Regel vor Ort montiert. Dazu kommen noch logistische Begebenheiten, die es zu beachten gilt. Aber genau das macht es ja spannend und motiviert mich immer wieder. 

Wie ist Party Rent strukturiert?
Die Party Rent Group agiert in einer kooperierenden Struktur selbständiger Gesellschaften an 23 Standorten in Europa. Jeder Standort trifft seine Entscheidungen selbst, profitiert aber auch von der Stärke der gesamten Group. Unter anderem kann so auf das Material aller Partner zugegriffen werden, wodurch auch sehr große Projekte gestemmt werden können. Das war schon oft ein Vorteil.

Was ist für euch eine Großveranstaltung?
Ein Event, bei dem über 500 Personen erwartet werden, gilt für uns schon als Großprojekt. Aber auch die 150-Gäste-Veranstaltung mit besonderem Anspruch oder schwierigen logistischen Bedingungen kann man als Großprojekt bewerten.

Wie schafft ihr den logistischen Aufwand bei genau diesen Veranstaltungen?
Durch die dezentrale Standort-Struktur der Gruppe schaffen wir kurze Wege. Unser Fuhrpark ist sehr variabel, so dass wir volumenoptimiert transportieren können. Spezifisch konfektionierte Transportkarren sorgen für den effizienten Transport des Equipments an seinen finalen Platz. In den meisten Fällen kümmert sich außerdem ein Projektleiter nach einem vorab definierten Aufbauplan um die Koordination aller Leistungen vor Ort.

Welche Möglichkeiten nutzt ihr, um eure Leistungen zu visualisieren?
Wir beschäftigen InnenarchitektInnen, um den Raum digital schon vorab nach den Vorstellungen des Kunden zu gestalten. Nachdem über erste Ideen und Materialien gesprochen wurde, tasten wir uns so nach und nach an das finale Set-Up für den Kunden heran. Das Ergebnis reicht dann von einfachen Skizzen über Aufbaupläne und 3D-Renderings bis hin zu fotorealistischen Visuals. Der Veranstalter kauft nicht die Katze im Sack, die digitale Vorschau bringt eine ordentliche Portion Planungssicherheit.

Woher wisst ihr, was zum Trend wird und die Kunden haben wollen?
Es gibt ein Scouting-Team, das sich regelmäßig auf den wichtigen europäischen Messen rund um Interieur und Einrichtung inspirieren lässt und auch im Austausch mit Herstellern und deren Designern steht. Gleichzeitig schauen wir uns an, was im Bereich Living so passiert und welche Gastronomie-Konzepte gerade besonders gefragt sind. 

Wie schafft ihr es euch von Wettbewerbern zu unterscheiden?
Unsere eben beschriebene Struktur ist wohl der wesentliche Unterschied. Party Rent agiert auch dadurch stärker investitions- und innovationsfreudig. Das wiederum ermöglicht es uns, gut auf Kunden einzugehen und etwa kundenspezifisch einzukaufen, wenn es sich lohnt. Ich würde deshalb sagen, es ist der Mix, den Party Rent anbietet. Wenn Du einfach nur 50 günstige Stühle brauchst, finden wir dafür ebenso eine Lösung wie für das Komplett-Paket aus Möbeln, Catering und Projektmanagement.

Mit welchen Designern arbeitet ihr noch zusammen?
Die Altmeister wie das Ehepaar Eames, Verner Panton oder Arne Jacobsen durften wir ja selbst leider nicht mehr kennenlernen, arbeiten aber mit ihren Produkten. Bei den modernen Klassikern sind es Größen wie das Designer-Duo Jehs+Laub, Konstantin Grcic, Romano Marcato oder Enzo Berti, denen wir einige gestalterische Meisterwerke verdanken. 

Wieso schafft nicht jeder Artikel den Einzug in euer Sortiment?
Henry van de Velde hatte als Architekt und Bauhausgründervater einen besonderen Anspruch an Möbel und Gebrauchsgegenstände: Sie sollten praktisch, bezahlbar, haltbar und schön sein. Diesen Attributen haben wir uns auch verschrieben. Wenn all das erfüllt ist, ist ein Produkt für uns „eventfähig“, das heißt, es ist auch für die Vermietung geeignet. Und da fällt dann auch eine Menge raus, manche Artikel können einfach nicht effizient genug auf Veranstaltungen gebracht werden. Aber klar, am Ende müssen auch wir uns danach richten, was der Markt will.

Stimmen aus der Branche behaupten, dass immer weniger Budget in Events gesteckt wird. Was denkst du?
Ich erlebe eigentlich genau das Gegenteil. Dieser Wert von Erlebnissen, die direkte, emotionale Kommunikation – das sehen immer mehr Unternehmen als wertvolle Ergänzung für ihren Marketing-Mix. Es ist ja erwiesen, dass Events nachhaltiger in Erinnerung bleiben als viele andere Kommunikationsmittel. Deshalb nimmt die Anzahl an Veranstaltungen und die der partizipierenden Teilnehmer weiter zu, das zeigen ja auch die Statistiken. Was in meinen Augen zurück geht oder zumindest bewusster betrachtet wird, sind die übertrieben großen Mega-Events, deren Wirksamkeit ja nicht besser ist, nur weil sie sich in diesen Dimensionen bewegen.

Wo erlebst du einmalige Events?
Jede Veranstaltung besitzt ja eine gewisse Einzigartigkeit. Das ist ja das Schöne an unserer Branche. 

Hier noch ein paar Eindrücke, wie Partyrent zur Wohlfühlatmosphäre unseres zuletzt gemeinsam realisierten Events beigetragen hat.

 


Text: Ann Kathrin Fechner // Portraitbild: Ariane Eichenberg // Collage1: Ann Kathrin Fechner // Collage2: Christina Stihler