Nachgefragt. Im Gespräch mit Christina Stihler - ))accente

Nachgefragt. Im Gespräch mit Christina Stihler

10. September 2015     / / / / /

Weiter geht es mit unserer Reihe „Nachgefragt.“!
Dieses Mal mit Christina Stihler von ideas for millions. Voller Leidenschaft für Menschen und Sinn für Atmosphäre und Detail, beschäftigt sie sich um Foto- und Filmproduktionen.
Schon bei mehreren Gelegenheiten haben wir mit ihr zusammengearbeitet. So entstanden beispielsweise die Team Bilder für unsere Website, einige Imagefilme aber auch auf Messen und Veranstaltungen ist sie unsere Expertin für Video und Bild!

Wir haben sie interviewt und so einiges über ihr ereignisreiches Leben erfahren!

Bild: Portrait von Christina Stihler

Portrait Bild Christina Stihler: Damián Irzik

Was ist dein Beruf?
Mit meinem Unternehmen ideas for millions biete ich Fotografie- und Filmproduktionen an in Richtung Dokumentation, Reportage und Portrait. Dabei übernehme ich meist Regie & Produktion, bzw. bei Fotoproduktionen natürlich die Fotografie selbst.

Welche Ausbildung hast du?
Ich habe Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie studiert, an der Hochschule Darmstadt. Zudem habe ich einen Abschluss als staatlich anerkannte Modedesignerin.

Was war der Impulse Fotografin/Filmemacherin zu werden?
Von klein auf war ich sehr handwerklich interessiert, seit der Teenager Zeit habe ich mich mit Mode beschäftigt und habe leidenschaftlich genäht. Da lag eine Ausbildung zur Modedesignerin nahe – nach der entsprechenden Ausbildung habe ich in dem Beruf selbst jedoch gemerkt, dass Tätigkeit und Branche nicht so richtig zu mir passen. Ästhetik ist mir schon wichtig, gleichzeitig mag ich es aber auch, Sachverhalte zu ergründen, interessiere mich für Menschen und setze gerne eigene Vorhaben um, gerne auch mal experimentell. Dies kann ich sowohl in der Fotografie, ein bisschen mehr vielleicht auch im Filmbereich sehr gut realisieren und beides hat wieder mehr etwas mit aktivem Handwerk zu tun.

Warum machst Du Fotos & Filme, was fasziniert Dich daran?
Ich habe einfach eine grundsätzliche Neugierde der Welt und anderen Menschen gegenüber. Was sie tun, was sie antreibt und wie was funktioniert. Dinge zu ergründen und Schlüsse daraus zu ziehen, das macht mir persönlich Spaß. Das kann man gerade beim Dokumentarfilm sehr gut – man muss vorher ein Drehbuch schreiben, das Thema recherchieren, eine eigene Position dazu und eine spannende Geschichte drumherum entwickeln. Und dann Menschen finden, die diesen Positionen Persönlichkeit einhauchen. Wie aus so vielen kleinen Einzelteilen eine bewegende Geschichte wird, finde ich sehr faszinierend – ebenso sehr wie in einem Portrait ein Stück der Persönlichkeit eines Menschen zu zeigen und nicht nur sein Aussehen. Das empfinde ich als sehr erfüllend.

War von vorneherein klar, dass du dich selbstständig machen wirst? Und was gefällt dir daran?
Tatsächlich hatte ich schon immer das Gefühl, dass ich selbstständig arbeiten werde, wenn ich älter bin. Als ich 20 war, sind mir bei meinen damaligen Nebenjobs bereits Qualitäten an den Geschäftsführern aufgefallen, die ich erstrebenswert fand. Solche Personen sind für mich eher Idole gewesen, als irgendwelche Stars. Das ist auch heute noch so, sogenannte „Macher“ faszinieren und beeindrucken mich, ich orientiere mich gerne an Ihnen.
Ein eigenes Unternehmen ist ja auch ein Projekt – Ideen finden und umsetzen, mit anderen Menschen für alle Seiten befriedigend zusammenzuarbeiten und damit auch noch wirtschaftlich Erfolg haben. Das ist schon eine Herausforderung, gleichzeitig aber macht mir genau das an der Selbständigkeit Spaß.

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Und was magst du nicht am Selbstständig Sein?
Es ist genau das Gleiche. (lacht) Ich sag’s mal so: Die Kehrseite davon ist, dass man selbst immer die Verantwortung für sich und andere trägt, man muss alle Projekte auch immer auch von der Wirtschaftlichkeit her sehen und darf dabei den Spaß nicht verlieren. Kreativ arbeiten und gleichzeitig sehr strukturiert sein ist dann doch nicht immer einfach.

Wie unterschiedlich ist die Herangehensweise ob ein Film oder Foto Job ansteht?
Damit für einen Film nachher alle gedrehten Szenen auch wirklich ein zusammenhängendes Ganzes ergeben, bedarf es einer ausführlichen Planung. Ausserdem ist ein mehrköpfiges Team  an der Mitarbeit beteiligt, die alle auf einander abgestimmt werden müssen. Bei Fotografie arbeite ich meist allein oder mit Assistent und es geht eher um ausdrucksstarke Bilder, nicht so sehr um den Zusammenhang. Das lässt sich durch Vorarbeit beeinflussen, ist aber nicht so aufwändig wie einen Filmdreh vorzubereiten.

Wer sind deine Kunden?
Hauptsächlich Unternehmen und Agenturen im Industrie- und Kulturbereich.

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein herausragendes Foto aus?
Es muss mich berühren!

Wie würdest Du selbst Deinen Stil beschreiben?
Meine Arbeiten haben immer Persönlichkeit und sind von einem hohen ästhetischen Anspruch geprägt. Ob ich dokumentarisch arbeite, Porträts oder Filme mache – die Liebe zum Detail ist mir enorm wichtig.

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Schwierigkeiten deines Berufs?
Sich auf viele Projekte gleichzeitig zu konzentrieren. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich gerne die Projekte nacheinander abarbeiten, um mich in das jeweilige voll hineinzubegeben. Aber das lässt sich nun mal nicht vermeiden und da hilft es nur, sich die Arbeit zu strukturieren.

Terminplanung digital oder auf Papier?
Digital, um Gottes Willen!

Hast du ein eigenes Büro oder wie/ wo arbeitest du?
Ich arbeite in einer Bürogemeinschaft, wo es eher familiär zugeht. Ich genieße dieses von zuhause ausgelagerte, aber persönliche Umfeld.

Berufliche Erfolge?
Als beruflichen Erfolg sehe ich, dass ich es schaffe, aus eigener Kraft und unter meinen Idealen wirtschaftlich bestehen zu können und mich weiter zu entwickeln.

Was war das abgefahrenste, schrägste oder beeindruckendste was du jemals gemacht hast?
Mmh, vieles was andere als irgendwie aussergewöhnlich empfinden, ist für mich in meinem Beruf durch die Häufigkeit mittlerweile nichts an sich Besonderes mehr. Neulich habe ich  in St. Petersburg eine Theatergruppe bei einer Nacktposen-Session fotografiert, wo mir erst im Nachhinein aufgefallen ist, wie sonderbar die Situation eigentlich war.
Wenn ich mich zurück erinnere – mein erster Dokumentarfilm, Projekt E, war ein 1 Jahr lang andauerndes, sehr beeindruckendes und auch nervenzährendes Abenteuer, bei dem ich unwahrscheinlich viel gelernt habe und eine sehr intensive Erfahrung war. Die Vorführung des fertigen Films im vollbesetzten Kinosaal, das war auf jeden Fall ein sehr besonderer Moment.

Was sind Deine Pläne, Ideen oder Wünsche für die Zukunft?
Auf jeden Fall ein weiterer Dokumentarfilm und weiterhin spannende kleinere Projekte. Zudem wünsche ich mir noch mehr durch den Job zu reisen, vielleicht ein Dokumentarfilm im Ausland als eierlegende Wollmilchsau?

Ausgesprochen viele haben eine Spiegelreflexkamera und verwirklichen viele Projekte im Unternehmen intern.  Beeinflusst das deine Auftragslage oder die Ansprüche der Kunden gegenüber deiner Arbeit?
Generell empfinde ich dadurch keine Konkurrenz. Für kleinere Projekte ist es nicht immer wirtschaftlich tragbar und somit verständlich, dass einiges vom Kunden selbst realisiert wird. Je komplexer die Projekte werden, desto sinnvoller ist es für Kunden in Profis zu investieren und das wissen die meisten auch.

Die Wichtigkeit von bewegten Bildern in Form von Bildern gewinnt stetig an Bedeutung im Rahmen der Kommunikation. Spürst auch du den Trend das bewegte Bilder mehr von deinen Kunden angefragt werden?
Ja auf jeden Fall, Film nimmt inzwischen schon den größeren Anteil meiner Projekte ein.  Durch das Medium Film kann man einfach noch mehr zeigen, untermalt mit Musik, Schriften und Grafiken integriert mehr verdeutlichen und emotional berühren.Wie kommst du runter bzw. spannst aus?
Ich mache Tai Chi und gehe Joggen. Zudem liebe ich das Kochen, besuche gerne Ausstellungen und Konzerte, treffe Freunde oder gehe raus in die Natur.

Was inspiriert dich, wo sammelst du neue Ideen?
Ausstellungen, Blogs, Zeitschriften und Onlinemagazine, auch bei Gesprächen mit Freunden oder völlig Fremden kommen mir neue Ideen. Sehr förderlich für die Inspiration ist es auch, mal einen Tag einfach nichts vorzuhaben.

Was sind deine Orte in Mannheim? Was sollte man hier unternehmen?
Kulturell mag ich das vielfältige Angebot in Mannheim z.B. in der Alten Feuerwache, dem Einraumhaus, beim zeitraumexit oder im Cinema Quadrat. Für die Freizeit sind die Rheinterrassen super zum Spazieren gehen oder auch das Neckarufer zum Joggen. Am Alte Messeplatz kann man im Sommer abends hervorragend Boule Spielen.

Welche Hotspots in Sachen Essen kannst du empfehlen?
Der Mittagstisch im Kleine Café ist super, zum Fisch essen ist mein Favorit die Osteria Limoni. Großartige Schokoladenpralinen gibt es bei Chocolat Noir, der Laden ist mit leichtem Hang zum Kitsch im 20er Jahre Look eingerichtet und die beiden Besitzer sind sehr nett und originell.

Dein nächstes Urlaubsziel?
Ein Urlaub mit mir selbst! 😉 Eine Woche lang einen Thai Chi Kurs bei einem chinesischem Meister, der auf Deutschlandreise ist.

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