Nachgefragt. Im Gespräch mit Thomas von der Steingasse14 - ))accente

Nachgefragt. Im Gespräch mit Thomas von der Steingasse14

3. Juli 2015     / / /

Unsere neue Reihe Nachgefragt. startet mit Thomas vom Brillenladen Steingasse14.

In dieser neuen Reihe stellen wir Menschen vor, die uns begegnen und durch ihre Leidenschaft für das, was sie gerne tun, begeistern. Und wenn man etwas toll findet, was jemand anderes macht, dann hat man auch immer ein paar Fragen, die man unbedingt stellen möchte. So haben wir uns auf den Weg in die Steingasse 14 in Heidelberg gemacht und Thomas in seinem Laden besucht.

Die Steingasse14 ist die Verlängerung zur alten Brücke und eine Straße der Heidelberger Altstadt mit ganz viel Charme. Und im Laden von Thomas, da gibt’s den Durchblick! Und zwar einen ganz besonders schicken. Das Brillenparadies auf Erden. Spezialisiert haben sie sich auf Modelle fernab vom gewöhnlichen Mainstream. Jedes Modell wird mit viel Liebe und Know How ausgewählt. Aber das kann uns Thomas alles viel besser erklären. Also los geht’s.

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Hallo Thomas.

Hallo Susanne.

Die Steingasse14 gibt es nun seit 2013. Wie entstand die Idee für Euren Laden und das Konzept?

Ich arbeite seit über 10 Jahren in der Brillenbranche für das Label Reiz und war an der Entwicklung der Firma mit beteiligt. Ich war vor allem für die Bereiche Vertrieb und Marketing zuständig und kenne daher ganz viele Geschäfte in ganz Deutschland. Und wenn man diesen Job die ganze Zeit macht, all diese tollen Läden und Produkte sieht bekommt man selbst die Lust, das Gleiche zu tun. Und zwar genau nach dem Gusto wie ich das gut finde. Vom Ladendesign, den Labels, die wir vertreiben und die Art und Weise wie wir mit dem Kunden umgehen. Ich konnte ganz viel mitnehmen und dann wollte ich es selbst machen.

Warum habt ihr als Standort Heidelberg ausgewählt?

Ich habe in Heidelberg BWL studiert (Schwerpunkt Marketing&Sportmanagement) und hatte hier echt drei coole Jahre. Hinzu kamen meine Vorkenntnisse durch die Vertriebsthematik bei Reiz. Für mich war Heidelberg ein Standort, der noch voller Potenzial für Nischenprodukte ist. Hier ein Portfolio zu präsentieren, welches man in Heidelberg so nach gar nicht findet.  Ja, und das hat dann zusammengepasst mit dem Zufall, dass dieser Laden noch zu haben war. Durch meine Internetrecherche fand ich diesen Ladenlokal, welcher seit zwei Tagen inseriert war. Also vereinbarte ich einen Termin gleich für den nächsten Tag. Bei dem Treffen mit den Vermietern konnte ich sie gleich für meine Idee begeistern. Und dann war der Laden auch noch gleich in der Woche aus dem Netz wieder draußen. Ich denke das war irgendwie Schicksal.

Bist du selbst gelernter Optiker?

Nein, diesen Part übernimmt Fred, mein Optikermeister. Auch wie Fred zur Steingasse14 kam, war irgendwie Schicksal. Mitten in der Ladenplanung ist mir mein Meister abgesprungen. Hilfesuchend habe ich bei meinen Kontakten in der Branche nachgefragt. Fred war zu diesem Zeitpunkt seit einem Jahr auf den Seychellen. Ein Tag nach meinem Hilferuf hat sich Fred bei einer Freundin gemeldet, dass er wieder zurück kommt und ob sie einen Job für ihn wüsste. Über Skype habe ich dann mit ihm das Bewerbungsgespräch geführt und gesagt: „Dann kannst du ja gerade nach Heidelberg ziehen!“ Ein absoluter Volltreffer! DBB gibt es da noch Lena, die uns ebenfalls so zugeflogen ist und uns am Anfang als Aushilfe unterstützt hat. Jetzt ist sie eine wichtige Größe in unserem kleinen Team und hoffentlich bald fester Bestandteil und ausgebildete Augenoptikerin.

Wie findet ihr Eure Marken?

Wir kennen ganz viel durch Messen und meinen früheren Arbeitgeber Reiz. Hierdurch war ich immer auf den großen Messen: Mailand, Paris und München. Der exklusive Designbereich ist nicht sehr groß. Somit ist es ein Netzwerk, indem man auch immer wieder von Neuigkeiten erfährt oder entdeckt. Man kennt sich untereinander und man mag sich. Viele sind Bekannte und Freunde, die einem helfen wenn man auf der Suche nach einem bestimmten Modell ist.

Für wen sind Eure Brillen? Wer ist Euer Kunde?

Puh, das ist schwierig zu beantworten. So einen Stereotyp gibt es gar nicht. Es ist keine Altersfrage, vielmehr eine Stilfrage. Ich glaube wenn hier jemand durch’s Schaufenster schaut und ihn spricht das an, was er sieht, dann ist er hier genau richtig. Unser Ladendesign zeigt, was es hier gibt. Wir haben viele Leute, die was Neues suchen. Wir haben viele Kunden, die schon viel geschaut haben und nichts gefunden haben und dann kommen sie zu uns und wir gebe ihnen fünf Brillen, oft gefallen ihnen gleich drei davon. Ich denke wir wählen bereits beim Einkauf schon ganz anders aus. 

Welche Händler habt ihr?

Wir arbeiten ausschließlich mit reinen Brillenherstellern wie REIZ, Garrett Leicht oder Dita zusammen, keine großen Labels. Weil wenn man es mal mit der Modebranche vergleicht, Prada, Gucci & co., die sollen Kleidung machen, denn da sind sie wirklich stark und gut, aber die Brille ist nicht ihr Kerngeschäft. Wir möchten, dass unsere Kunden für die Qualität der Brille bezahlen und nicht für Lizenzgeschäfte. Hersteller, die sich Tag für Tag ausschließlich damit beschäftigen, schöne und hochwertige Brillen zu bauen. Wo es um Qualität, Material, Verarbeitung, Design geht.

Warum sollten die Leute gerade in Eurem Laden nach einer Brille Ausschau halten?

Da wir den hohen Anspruch, welchen wir an unsere Hersteller haben, auch bei uns im Geschäft weitertragen. Die Dienstleistung und der Service sind uns enorm wichtig. Ich schicke auch gerne noch mal jemanden weg, wenn gerade nichts zu 100% zum ihm passt und sag ihm, hier und da kommt noch mal was rein, das könnte zu dir passen. Wir möchten, dass unsere Kunden zufrieden sind und sie lange Freude an ihrer Brille haben. Das Ziel ist, dass uns unsere Kunden wieder besuchen, weil sie so zufrieden mit ihrer Brille sind und Lust auf eine weitere bekommen. Brillen zeigen eine Seite eines Menschen und da gibt es immer etwas neues zu entdecken. 

Worauf achtest du bei der Auswahl der passenden Brille für den Kunden?

Wenn jemand rein kommt, schaue ich ihn vom Scheitel bis zur Sohle an, dann weiß ich recht schnell welche unserer Brillen zu dem Menschen passen könnte. Man kennt seine Brillen und greift dann heraus, was meiner Meinung nach zu demjenigen passt. Häufig ist am Ende des ersten Vorschlag der Treffer. Die Kollektionen haben unterschiedliche Charakteristika und vertreten unterschiedliche Attribute. Man bekommt recht schnell ein Gefühl dafür, welches Label zu wem passen könnte. 

Klar, neben dem Bauchgefühl gibt es auch gewisse „Regeln“. Hierbei schau ich mir ganz besonders die Augen, die Augenbrauen und natürlich die Nase an. Denn am Ende muss es auf der Nase richtig sitzen! Ein paar Dinge, auf die ich achte, aber ansonsten muss es zum Stil, zum Look und zum Leben des Kunden passen. Vieles kommt einfach aus dem Bauch. Der Kunde kommt rein, und ich nehme ihn wahr und dann muss die Brille einfach zu dem ganzen Typ passen.

 

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Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag aus?

Für mich etwas anders, als für Fred, meinen Partner. Da ich hier all die organisatorischen Dinge mache wie Buchhaltung, Rechnungen bezahlen. Eben all die langweiligen Sachen, die mich echt selbst total langweilen aber halt notwendig sind. (lacht)

Fred übernimmt als Optikmeister das Messen und berät danach eben auch das richtige Glas. Er ist Ansprechpartner, wenn die Leute wirklich Probleme haben mit den Augen. Und ein großer Bereich ist für ihn noch das Bestellen der Gläser.

Wir kümmern uns beide um das Einstellen, Biegen, Polieren von Brillen, das Verglasen, Treffen mit den Kunden vereinbaren und natürlich der wichtigste Punkt ist die Beratung unserer Kunden.

Was sind Pläne für die Zukunft? Ziele, Visionen oder Träume? Vielleicht eine Zweigstelle auf den Sychellen?

(Lacht) Oh Nein, hier in Heidelberg in unserem Laden fühlen wir uns pudelwohl. Zudem haben wir das Gefühl, dass die Menschen, die hierher kommen glücklich raus gehen und auch immer gerne wieder kommen. Denn ich denke, sie sind froh drum, dass es so etwas wie unseren Laden gibt. Das muss wachsen und sich rumsprechen. Denn wir haben festgestellt, dass normale Werbung eigentlich nicht viel bringt. Sondern Kunden, die hier aus der Tür gehen und dies ihren Freunden weitergeben. So wächst das automatisch und genau unter den Leuten, die wir ansprechen wollen.

Für mich ist die Steingasse die schönste Gasse in Heidelberg. Wir wollten nie in die Hauptstraße. Ich finde Heidelberg sollte sich die Steingasse so ein bisschen zurück erobern. In den Abendstunden wird die Steingasse schon sehr genutzt. In vielen anderen Städten sieht man bereits wie sich neben den Haupteinkaufsstraßen schöne Einkaufsgebiete entwickeln. Um‘ s Eck, wo diese schönen kleinen Läden sind, wo ein gewisser Menschenschlag hingeht. Abends, wenn die Heidelberger hier ihre Pizza oder ihren Burger essen, dann sollen sie uns beim Flanieren entdecken und am nächsten Tag zu uns in den Laden kommen. Und dieses Potenzial sehe ich in der Steingasse. Sie hat das Zeug dazu. Sicherlich ein hartes Brot, welches wir uns ausgesucht haben. Aber das ist unser Ziel. 

Unsere Vision ist es, die Steingasse14 zu einem Ort für Brillen zu machen, für einen gewissen Schlag von Menschen. Wenn wir das schaffen, dann sind wir auch fein!!!! Das reicht uns völlig.

Deine drei ultimativen Tipps für Heidelberg?

Oh Gott, ich komm gar nicht so oft raus aus dem Laden! Das Casa del Caffe finde ich super. Hier ging ich schon als Student ein und aus. Besonders Milans Bent Bar, der Coffee Nerd und das Friedrichs gefallen mir sehr gut!

Wo schickst du Freunde hin, die zum ersten Mal in Heidelberg sind, damit Sie den besten Eindruck von Heidelberg bekommen?

Da kümmert sich meistens meine Frau drum!!! (lacht) Das Schloss, der Philosophen Weg und was ich noch aus meiner Studienzeit mag. Bei schönem Wetter auf die Mitte der Alten Brücke stehen und einfach schauen. Gerne auch mal mit nem Bier.

So und nun, was möchtest du zum Schluss noch unbedingt los werden?

Alle Menschen die sich angesprochen fühlen, dürfen gerne bei uns vorbeikommen. Wenn es um schöne Brillen geht, könnte die Steingasse14 die richtige Adresse sein. 

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Ihr fragt Euch, welches Modell zu Euch passt? Thomas, Fred & Lena freuen sich auf Euren Besuch! Hier findet Ihr wohl mehr als nur eine Antwort!